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Internetkommunikation bedroht
Im Internet ist es möglich, auf schnelle und einfache Weise zu
kommunizieren und Informationen auszutauschen. Diese Möglichkeiten für den
Kontakt zwischen Staat und Bürgern nutzbar zu machen, ist ein zentrales
Ziel des E-Governments. Der Schutz der Privatsphäre der beteiligten
Kommunikationspartner ist dabei die große Herausforderung. Die hier
aufgezeigte Kommunikationslösung ist vor allem für Anfragen über das
Internet gedacht, die nicht durch Formulare vorstrukturiert sind und
prinzipiell vertrauliche Daten enthalten können. Im Behördenalltag zeigt
sich schließlich, dass Fragen der Bürger häufig durch das eigene aktuelle
"Fallbeispiel" erläutert werden. Deshalb ist es wichtig, auch
Kommunikationssituationen zu schützen, in denen Menschen über das Internet
Anfragen stellen und schon bei der Frage vertrauliche Daten übermitteln
könnten.
Herkömmliche eMail fragwürdig
Die Vorteile der herkömmlichen eMail liegen auf der Hand: Schnell und
einfach können Informationen ausgetauscht und verbreitet werden. Es können
große Benutzergruppen im Adressbuch des eMail-Programms angelegt werden,
die ohne Aufwand das Versenden an beliebig viele Empfänger ermöglichen.
Eine erhaltene eMail kann mit wenig Aufwand weitergeleitet werden. Inhalte
können sich so kaskadenartig in kürzester Zeit über die ganze Welt
verbreiten. In Bezug auf den Datenschutz sind diese Vorteile der eMail
gleichzeitig ihre Nachteile. Die Gefahr liegt bei dieser hohen
Funktionalität gerade darin, dass es ohne viel Aufwand möglich ist, Daten
zu kopieren, weiterzuleiten und an beliebig viele Empfänger zu
transferieren. Der standardmäßige Vorgang beim Versenden von eMails ist
dabei ein Kopiervorgang. Der Datenbestand wird pro Empfänger jeweils
verdoppelt. Werden personenbezogene Daten auf diese Weise ausgetauscht,
ist anschließend kaum nachvollziehbar, wo diese datenschutzrelevanten
Daten gespeichert sind. Gerade für den Umgang mit schutzwürdigen Daten
wäre es jedoch wichtig, die Datenbestände im Überblick zu behalten, um
Daten, die nicht mehr benötigt werden, gezielt löschen zu können.
Bei eMails gibt es bereits Möglichkeiten der Verschlüsselung und
Signierung. Die eMails können somit sicher transferiert werden und Inhalte
können von Unbefugten nicht gelesen werden. Bei einer Manipulation der
eMail würde sogar eine Warnung angezeigt. In der Praxis hat sich diese
Form der Verschlüsselung und Signierung jedoch nicht durchgesetzt. Für
viele Menschen ist dieser Vorgang zu kompliziert. Dadurch ist die
Nutzungsquote von Verschlüsselungsmöglichkeiten wie z.B. PGP in der Praxis
leider minimal. Selbst in vertraulichen Beratungsprozessen wird diese
Methode von weniger als 2 % der Ratsuchenden genutzt, wenn sie
überhaupt angeboten wird. Sie spielt in der Praxis der alltäglichen
Internetkommunikation somit kaum eine Rolle. Die herkömmliche eMail ist
aus diesen genannten Gründen also nicht geeignet für vertrauliche
Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern.
Neues Mailkonzept bei eGovernment
Beim E-Government-Mailkonzept wird für vertrauliche Kommunikation ganz auf
die herkömmliche eMail verzichtet. Es handelt sich hier um ein
datenbankorientiertes und webbasiertes Mailverfahren. Bürger, die mit
einer Behörde kommunizieren wollen, müssen sich lediglich einen
Benutzer-Account auf der Webseite der Behörde anlegen. Die Kommunikation
kann dabei mit jedem Standardbrowser getätigt werden. Die Anschaffung
spezieller Software ist für den Bürger also nicht nötig. Die technischen
Kenntnisse der Installation von Verschlüsselungssoftware sind bei diesem
Konzept auch nicht notwendig. In diesem Neuansatz wird die gesamte
Kommunikation automatisch per SSL verschlüsselt. Sowohl Vertraulichkeit
als auch Authentizität der Behörde (durch SSL-Zertifikat nach dem
Signaturgesetz) können gewährleistet werden.
Kostensparendes
e-Mail-Management möglich
Eine Kommunikation, die auf
einer Datenbank beruht, ermöglicht nun auch ein gezieltes behördeninternes
Organisieren der Kommunikationsprozesse. So ist von vornherein planbar,
welchem Mitarbeiter welche Anfragen (auf bestimmten Seiten der
öffentlichen Homepage) zugeordnet werden. Eine themenspezifischen
Vorauswahl ist dabei über die Homepage möglich. Dies erspart eine
zeitaufwändige Verteilung von Mails. Außerdem können Löschvorgänge
standardisiert werden, so dass zu löschende Daten im Blick bleiben und
auch der Datenschutzgrundsatz der Datensparsamkeit gewährleistet wird. Bei
Überschreitung von vordefinierten Fristen wird eine Löschungsempfehlung
vom Programm angezeigt. Die Mail-Funktionalität wird für vertrauliche
Kommunikation eingeschränkt und jeweils an die Modalitäten und den Bedarf
der jeweiligen Behörde angepasst. Vereinbarungen mit Nutzern und
Datenschutzinformationen können dabei vor dem Erstkontakt sogar per
Formular verbindlich vorgeschaltet werden.
Bei dieser eMail-Alternative wird 100 % der Kommunikation
verschlüsselt. Dieses Verfahren erfüllt somit weit höhere Anforderungen an
Datensicherheit und Datenschutz als die herkömmliche eMail und ist dazu
noch einfacher zu handhaben als Verschlüsselungssoftware im eMail-Programm.
Rahmenbedingungen und
Ausblick
Dieses Mail-Konzept kann nur
dann wirksamen Schutz bieten, wenn ein umfassendes Gesamtkonzept für
Datenschutz und Datensicherheit vorliegt, wie es im Sewecom-Standard für
sichere Kommunikation im Internet empfohlen wird. Dabei werden die
Grundbedingungen des IT-Grundschutzhandbuchs des BSI als Voraussetzung für
ein sicheres Mailkonzept angesehen. Behörden können das
E-Government-Mailkonzept in ihre bestehende Sicherheits-Infrastruktur
integrieren, da dieses Verfahren auf unterschiedlichsten Plattformen
realisiert werden kann. Die Umsetzung ist dabei mit weit verbreiteten
Komponenten möglich.
In Zukunft ist es sinnvoll, zusätzlich ein Authentisierungsverfahren für
die eindeutige Identifizierung per Chip-Karte der Bürger zu integrieren
(Elektronische Unterschrift). In den nächsten Jahren ist damit aber noch
nicht flächendeckend zu rechnen. Der geregelte Zugriff ist dabei aber
bereits durch die Vergabe von Benutzernamen und Passwort möglich. Sowohl
Bürger, die zufällig auf die Homepage kommen können direkt eine Anfrage
versenden, die Antwort können nur sie in ihrem Account abfragen. Aber auch
eine weitere Stufe der Authentifizierung ist möglich: Sie können mit einem
postalisch zugestellten (oder persönlich übergebenen) Freischalt-Code
verifizieren, dass keine Fremde Person sich für sie ausgibt.
Dieses Mailkonzept fasst
somit die derzeitigen Möglichkeiten zusammen, um die Privatsphäre des
Bürgers bei der Kommunikation mit Behörden auch heute schon umfassend zu
schützen.
Weitere Hintergrundinformationen:
Sewecom-Mail
(Funktionalität)
Sewecom-Standard (Sicherheitskonzept)
e-Mail-Management (Übersicht)
zur
Sewecom-Homepage
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